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Friedrich der Große

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Zergliederungskunst

Nach Gaetano Zumbo, Bildnis eines gekreuzigten Jesus als anatomisches Wachsmodell, 1760–1780, Gefärbtes Bienenwachs, Porzellanaugen, Metalldraht, Textil, Privatsammlung Prof. Dr. Ekkehard Vaubel, Berlin

Die Aufklärung praktizierte eine „Zergliederungskunst“, die den Körper anatomisch zerlegte. Im Anatomischen Theater wurde er zum Objekt einer schonungslosen Schaulust, die Neugierde und Voyeurismus in sich vereinte.

Das Geflecht der Akteure umspannte alle Wissensbereiche: Neben Medizinern, Chirurgen und Anatomen hatten Philosophen, Künstler und Schriftsteller an der Modellierung aufgeklärter Körperwelten teil. Im Spannungsfeld von Kunst und Wissenschaft wurde der gnadenlose Blick in das exponierte Innere zum Sinnbild des 18. Jahrhunderts.

Die Bildstrategien der Aufklärung drangen in den Menschen ein und förderten neue Dimensionen des Körperlichen zutage: Das Panorama reicht vom sichtbaren Körper bis zu imaginierten Körperbildern, vom Inneren des Körpers bis zu Formen körperbezogener Intimität, vom Studium der Anatomie bis zur Erforschung des Charakters, der Seele und der Empfindsamkeit.

Die Bildwanderung des 18. Jahrhunderts endet an jenem Punkt, von dem aus der Mensch als Vernunft- und Gefühlswesen in seine Einzelteile zerfällt, verschwindet und neu zusammengesetzt werden muss.

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